Sicherheitsschuhe

Sicherheitsschuhe kaufen: Prüfzeichen, Weiten und Einsatzbereiche richtig auswählen

Sicherheitsschuhe kaufen: DIN EN ISO 20345, Kennzeichen S1P, S3 und S7, Weiten, Einsatzbereiche und Beispielpreise 2025 in Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sicherheitsschuhe werden nach DIN EN ISO 20345 geprüft, die Kennzeichnung im Schuh nennt Norm, Schutzklasse und Hersteller.
  • S1P, S3 und S7 stehen für unterschiedliche Gefährdungen, vom trockenen Hallenboden bis zum dauerhaft nassen Einsatz.
  • Die DGUV Regel 112-191 regelt in Deutschland Auswahl, Einsatz und orthopädische Anpassung von Fußschutz.
  • Weite und Leisten entscheiden über Tragekomfort und Akzeptanz, die Norm lässt sie ausdrücklich offen.
  • Beispielpreise 2025 je Paar inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer: S1P ab 45 Euro, S3 zwischen 80 und 150 Euro, S7 zwischen 120 und 210 Euro.

Von der Gefährdungsbeurteilung zur Schutzklasse

Vor der Bestellung steht die Frage, wogegen die Schuhe schützen sollen. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz. Das Handbuch der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt, wie Betriebe Gefährdungen systematisch ermitteln und Schutzmaßnahmen daraus ableiten (BAuA, Handbuch Gefährdungsbeurteilung).

Für den Fußschutz sind vier Fragen entscheidend. Fallen Lasten herab? Liegen Nägel, Scherben oder scharfe Bleche auf dem Boden? Ist der Untergrund rutschig, ölig oder nass? Wirken Hitze, Kälte oder elektrostatische Ladungen? Jede Antwort führt zu einem anderen Kennzeichen.

Ein Beispiel: In einer trockenen Montagehalle mit ebenem Boden genügt oft ein Halbschuh der Klasse S1P. In der Gießerei mit Gussputz und heißen Werkstücken kommt Hitzebeständigkeit hinzu, im Tiefbau Wasserdichtheit und ein hoher Schaft.

Das Ergebnis gehört in die Dokumentation: Gefährdung, gewähltes Kennzeichen, Begründung. Bei einer Prüfung durch die Aufsicht ist diese Zuordnung der erste Punkt, der betrachtet wird.

Weil die Gefährdungsbeurteilung alle Arbeitsbereiche erfasst, begründet sie auch unterschiedliche Schutzklassen im selben Betrieb. Eine pauschale Beschaffung für alle Beschäftigten lässt sich damit nicht rechtfertigen.

Kennzeichnung nach DIN EN ISO 20345 lesen

DIN EN ISO 20345 legt fest, welche Prüfungen ein Sicherheitsschuh bestehen muss und wie er gekennzeichnet wird. Sie gilt als europäische Norm in allen EU-Mitgliedstaaten.

Die Zehenschutzkappe hält eine Aufprallenergie von 200 Joule und eine Drucklast von 15 Kilonewton aus. Diese Werte trennen Sicherheitsschuhe von Berufsschuhen nach DIN EN ISO 20347, die keine Kappe besitzen.

Jeder geprüfte Schuh trägt eine dauerhafte Kennzeichnung: Norm, Kennzeichen der Grundanforderung, Größe, Hersteller, Herstellungszeitraum und CE-Zeichen. Prüfstellen wie DGUV Test untersuchen Baumuster und überwachen die Fertigung. Wie Prüfung und Zertifizierung zusammenspielen, beschreibt die DGUV (DGUV, Prüfung und Zertifizierung).

Die Grundanforderung heißt SB: Zehenschutzkappe, Rutschhemmung und Mindestanforderungen an den Schaft. Alle weiteren Kennzeichen bauen darauf auf und beschreiben zusätzliche Eigenschaften.

Kennzeichen Zusätzliche Eigenschaften Typischer Einsatz
S1P geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich, Durchtrittschutz Montage, Logistik, ebene Hallenböden
S2 wie S1, zusätzlich wasserdichtes Obermaterial, ohne Durchtrittschutz feuchte Bereiche, Lebensmittelproduktion
S3 wie S2, zusätzlich Durchtrittschutz und grobstollige Profilsohle Bau, Außenbereich, Schrott und Recycling
S5 wasserdichter Stiefel, antistatisch, Durchtrittschutz, profilierte Sohle Kanalbau, Schlamm, Wasser
S7 wasserdichter Stiefel mit durchtritthemmender Einlage und profilierter Sohle dauerhaft nasse und ölige Böden, Chemie

Zusatzkennzeichen ergänzen die Klassen: HRO steht für hitzebeständige Sohlen, CI für Kälteisolierung, HI für Wärmeisolierung, SRC für Rutschhemmung auf Keramik- und Stahlböden. Ein Kennzeichen ohne Prüfung gibt es nicht, deshalb ist die Kennzeichnung im Schuh die schnellste Kontrolle beim Wareneingang.

Weiten, Leisten und Passform

Die Norm schreibt Schutzmerkmale fest, nicht die Passform. Weiten und Leisten legt jeder Hersteller selbst fest. Deshalb fällt Größe 43 bei drei Anbietern unterschiedlich aus.

Viele Hersteller arbeiten mit eigenen Weitensystemen, häufig als Weite 10 bis 13 bezeichnet. Anbieter wie Elten, Haix, Atlas und Uvex führen je Modell mehrere Weiten. Beschäftigte mit hohem Spann oder breitem Ballen brauchen meist Weite 13 oder eine eigene Leistenform.

Gemessen wird am Nachmittag, wenn der Fuß belastet und etwas größer ist. Zwischen Zehenkappe und längstem Zeh sollten etwa zehn Millimeter Platz bleiben, sonst stößt der Zeh bei jedem Schritt an.

  1. Fußlänge und Fußbreite am Nachmittag messen, am besten auf der Einlegesohle des bisherigen Schuhs.
  2. Weiten und Leisten beim Hersteller prüfen und zwei bis drei Größen bestellen.
  3. Im Betrieb mindestens zehn Minuten testen, auch auf Treppen, Rampen und Gitterrosten.
  4. Orthopädischen Bedarf früh melden, damit die Zurichtung nach DGUV Regel 112-191 geprüft werden kann.
  5. Erst nach Freigabe durch die Beschäftigten die Serienbestellung auslösen.

Orthopädische Anpassungen regelt in Deutschland die DGUV Regel 112-191. Sie beschreibt, wann Einlagen, Zurichtungen oder maßgefertigte Sicherheitsschuhe infrage kommen und wie Betrieb und Unfallversicherungsträger die Kosten abstimmen. Entscheidend ist, dass die Anpassung die Schutzwirkung nicht mindert: Der Schuh muss als orthopädische Zurichtung geprüft sein.

Einsatzbereiche: Sohle, Durchtrittschutz und Zusatzanforderungen

Die Rutschhemmung wird auf zwei Untergründen geprüft. SRA gilt für Keramikfliesen mit Seifenlösung, SRB für Stahlböden mit Glycerin. SRC kombiniert beide Prüfungen.

Der Durchtrittschutz sitzt als Einlage zwischen Brandsohle und Laufsohle und hält einer Prüfkraft von 1100 Newton stand. Modelle ohne dieses Kennzeichen sind für Bereiche mit Nägeln, Draht oder Glasscherben nicht geeignet.

Hitze und Kälte erfordern eigene Zusätze: HRO für kurzzeitigen Kontakt mit heißen Untergründen, CI für isolierte Sohlen im Kühlhaus, HI für Wärmeisolierung an Öfen. Die antistatische Ausführung mit Kennzeichen A verhindert Ladungsaufbau im normalen Betrieb.

ESD-Bereiche verlangen mehr als antistatisch. Für Schutzzonen mit elektronischen Bauteilen werden Schuhe mit definiertem Ableitwiderstand eingesetzt, deren Prüfung der ESD-Beauftragte vorgibt. Hersteller wie Uvex führen S1P-, S3- und S7-Modelle mit solchen Zusatzkennzeichen (Uvex Safety, Sicherheitsschuhe).

Für die Forstwirtschaft gilt eine eigene Norm: Schnittschutzstiefel werden nach DIN EN ISO 17249 geprüft und in Schutzklassen eingeteilt. Sie sind kein Ersatz für S3-Schuhe im Industriebetrieb.

Beispielpreise und Beschaffung

Preise hängen von Material, Sohlenaufbau, Marke und Stückzahl ab. Die folgenden Beispielpreise sind Handelspreise für Einzelbestellungen, Stand 2025, je Paar inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Bauart Beispielpreis je Paar inklusive 19 Prozent MwSt.
S1P-Halbschuh, Einstiegsmodell 45 bis 75 Euro
S3-Halbschuh, mittlere Ausstattung 80 bis 130 Euro
S3-Stiefel mit hohem Schaft 110 bis 180 Euro
S5-Gummistiefel mit Zehenschutzkappe 45 bis 95 Euro
S7-Stiefel, wasserdicht 120 bis 210 Euro

Markenmodelle liegen am oberen Rand dieser Spannen. Haix und Uvex sind mit ihren oberen Serien nach Beispielpreisen aus dem Fachhandel häufig zwischen 140 und 200 Euro je Paar zu finden. Elten und Atlas decken überwiegend das Feld zwischen 60 und 140 Euro ab. Engelbert Strauss führt Einstiegsmodelle unter 60 Euro und S3-Schuhe über 100 Euro (Engelbert Strauss, Sicherheitsschuhe).

Rechenbeispiel: 40 Beschäftigte in der Montagehalle

Ein Betrieb stattet 40 Beschäftigte mit S3-Halbschuhen zum Beispielpreis von 119 Euro je Paar aus. Das ergibt 4.760 Euro brutto. Bei Vorsteuerabzugsberechtigung bleiben 4.000 Euro netto, also 100 Euro je Paar.

Zwei Paar je Beschäftigtem und Jahr verdoppeln den Betrag, weil ein Paar im Wechsel trocknen kann. Zuschläge für orthopädische Zurichtungen werden im Einzelfall abgerechnet. Kalkulieren Sie deshalb mit dem Jahresbedarf, nicht mit dem niedrigsten Listenpreis.

Bei Ausschreibungen hilft ein Blick auf die Nachkaufgarantie. Modelle, die nach zwei Jahren nicht mehr lieferbar sind, erzwingen eine neue Anprobe für alle Beschäftigten und kosten mehr als der Aufpreis für ein dauerhaft verfügbares Modell.

Wartung und Austausch

Die Schutzwirkung hängt an der Pflege. Reinigen nach Herstellerangabe, trocknen bei höchstens 40 Grad, nicht auf der Heizung und nicht im Trockner. Hitze verformt Sohle und Kappe.

Eine Sichtprüfung vor jeder Ausgabe sollte fünf Punkte abdecken:

  • Obermaterial auf Risse und offene Nähte
  • Laufsohle auf abgelaufenes Profil und Risse
  • Zehenschutzkappe auf Durchstoßstellen
  • Einlegesohle und Durchtrittschutz auf Verformung
  • Innenfutter auf Druckstellen und herausstehende Nägel

Das Austauschintervall ergibt sich aus Nutzung und Sichtprüfung, nicht aus einer festen Frist. Die DGUV fasst Persönliche Schutzausrüstung unter dem Begriff Arbeitsmittel zusammen und beschreibt, welche Prüfpflichten daraus folgen (DGUV, Arbeitsmittel).

Häufige Fragen

Welche Schutzklasse passt in eine Montagehalle?

In trockenen Hallen mit ebenem Boden ist S1P die übliche Wahl: Zehenschutzkappe, Durchtrittschutz und antistatische Ausführung. Bei Öl, Spänen oder unebenem Boden wird S3 benötigt.

Woran erkenne ich einen geprüften Sicherheitsschuh?

Geprüfte Sicherheitsschuhe tragen die Kennzeichnung im Schuh: Norm, Schutzklasse, Größe, Hersteller und Herstellungszeitraum sowie das CE-Zeichen. Fehlt diese Kennzeichnung, handelt es sich nicht um Sicherheitsschuhe.

Was unterscheidet S3 von S7?

S3 bezeichnet einen Halbschuh oder Stiefel mit wasserabweisendem Obermaterial und Durchtrittschutz. S7 ist ein wasserdichter Stiefel für dauerhaft nasse oder ölige Umgebungen.

Wer bezahlt orthopädische Sicherheitsschuhe?

Der Arbeitgeber stellt die notwendige Schutzausrüstung. Die DGUV Regel 112-191 regelt, wann eine orthopädische Zurichtung nötig ist und wie Betrieb und Unfallversicherungsträger die Kosten abstimmen.

Kann jeder Sicherheitsschuh in ESD-Bereichen eingesetzt werden?

Nein. Antistatische Ausführung nach DIN EN ISO 20345 ist nicht gleich ableitfähig. Für ESD-Schutzzonen sind Modelle mit definiertem Ableitwiderstand nötig, die nach den ESD-Normen geprüft werden.

In diesem Leitfaden

  1. Sicherheitsschuhe S1P, S3 und S7 im VergleichSicherheitsschuhe S1P, S3 und S7 im Vergleich: Durchtrittschutz, Sohlenmaterial, Einsatzbereich und Preise je Paar in Euro inkl. 19 % MwSt. für den Einkauf.
  2. Sicherheitsschuhe Checkliste für Produktion und LagerSicherheitsschuhe Checkliste für Produktion und Lager: Normen, Weiten, Sohlen, Prüffristen, Dokumentation und Beispielkosten je Paar inklusive MwSt.
  3. Sicherheitsschuhe Kosten pro Paar in Industrie und HandwerkSicherheitsschuhe Kosten 2025: Preise pro Paar inkl. MwSt. nach Schutzklasse, dazu Leasing, Reparatur und Aufschläge für Weiten und Sondersohlen.

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