Sicherheitsschuhe S3 mit Stahlkappe und Profilsohle auf nassem Boden
Bild: Arbeitskleiderwahl

Sicherheitsschuhe

Teil von Sicherheitsschuhe kaufen: Prüfzeichen, Weiten und Einsatzbereiche richtig auswählen

Welche Sicherheitsschuhe für welche Gefährdung im Betrieb geeignet sind

Sicherheitsschuhe: Gefährdungen wie Durchtritt, Hitze oder elektrostatische Aufladung richtig zuordnen und die passende Klasse von S1P bis S7 im Betrieb auswählen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • S1P ist die Grundklasse für trockene ArbeitsplätzeZehenschutzkappe, Durchtrittschutz, antistatische Sohle.
  • S2 und S3 decken Wasser, Öl und unebene Böden im Außenbereich ab.
  • S4 bis S7 bezeichnen wasserdichte Ganzgummi- und Ganzkunststoffstiefel.
  • Zusatzkennungen wie HRO, HI, CI und ESD regeln Hitze, Kälte und elektrostatische Aufladung.
  • Maßgeblich ist die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs, nicht der Preis.

Welche Gefährdung entscheidet über die Schutzklasse?

Jeder Sicherheitsschuh erfüllt zuerst die Grundanforderung SB: eine Zehenkappe, die mit 200 Joule geprüft wird. Darüber hinaus beschreibt die DIN EN ISO 20345 Zusatzanforderungen aus Buchstaben und Nummern. S1, S2 und S3 gelten für Lederschuhe, S4 und S5 für Ganzgummi- und Ganzkunststoffschuhe. S6 und S7 ergänzen diese Gruppe in der aktuellen Fassung der Norm.

Welche Klasse nötig ist, folgt aus der Gefährdung am Arbeitsplatz. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verlangt, dass der Arbeitgeber Arbeitsmittel und Persönliche Schutzausrüstung vor der Ausgabe beurteilt und die Maßnahmen dokumentiert. Ohne diese Prüfung wird entweder zu teuer oder zu schwach eingekauft.

Welche Klasse passt zu welcher Gefährdung?

Klasse passt zu Gefährdung

Geeignete Klasse

Trockener Boden, keine Nässe
S1P
Wasser, Öl, unebener Boden
S3
Große Flüssigkeitsmengen
S4, S5
Nasse, fettige Böden mit Durchtrittsgefahr
S5, S7
Hitze, Funkenflug, Schweißarbeiten
S3 mit HI und HRO

Typische Bereiche

Trockener Boden, keine Nässe
Montagehalle, Kommissionierung, Werkstatt
Wasser, Öl, unebener Boden
Außenlager, Bauhof, Entsorgung
Große Flüssigkeitsmengen
Molkerei, Getränkeabfüllung
Nasse, fettige Böden mit Durchtrittsgefahr
Schlachthof, Chemieanlage
Hitze, Funkenflug, Schweißarbeiten
Gießerei, Instandhaltung

S1P ist so verbreitet, weil der Durchtrittsschutz gegen Nägel und Blechkanten in fast jedem Lager gebraucht wird. Die antistatische Ausführung gehört bei S1 bis S5 zum Standard.

Schutzklassen nach Gefährdung

S1P

Boden
trocken
Durchtritt
ja
Wasser
nein
Einsatz
Montagehalle

S3

Boden
nass, ölig
Durchtritt
ja
Wasser
ja
Einsatz
Außenlager

S5/S7

Boden
nass, fettig
Durchtritt
ja
Wasser
ja
Einsatz
Schlachthof

S2 schützt zusätzlich gegen Wasser, hat aber weder Durchtrittschutz noch profilierte Sohle. Sobald Schrauben, Scherben oder Nägel unter dem Fuß liegen können, ist S3 die bessere Wahl.

S4 und S5 sind Stiefel aus Gummi oder Kunststoff, S5 und S7 bieten zusätzlich Durchtrittschutz und ein grobes Sohlenprofil. Für Aufladung kommt die ESD-Ausführung hinzu, für Hitze die Kennung HRO.

Wie gehen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung vor?

Vier Fragen reichen für den ersten Durchgang:

Gefährdungsbeurteilung Vorgehen

  1. Was kann auf den Fuß fallen?
  2. Was kann von unten durchtreten?
  3. Wie wirken Nässe, Öl, Hitze und Kälte?
  4. Kann sich die Person statisch aufladen?

Das Handbuch Gefährdungsbeurteilung der BAuA beschreibt, wie solche Punkte systematisch erhoben und Schutzmaßnahmen daraus abgeleitet werden. Wer die vier Fragen beantwortet, landet fast von selbst bei der passenden Klasse. Ein Blick auf Steh- und Gehzeiten lohnt zusätzlich, weil sie über Dämpfung und Sohlenhärte entscheiden.

Was leisten Zusatzkennungen wie HRO, HI und CI?

Zusatzkennungen HRO HI CI

  • HRODie Laufsohle hält kurzzeitig hoher Kontaktwärme stand.
  • HIDie Sohle isoliert gegen Hitze, etwa in Ofennähe.
  • CIDie Sohle isoliert gegen Kälte, für Kühlhaus und Tiefkühllager.
  • ESDDer Schuh leitet Ladung kontrolliert ab, die Anforderungen an das Gesamtsystem nennt die Normenreihe EN 61340.
  • ANzusätzlicher Schutz im Knöchelbereich.

Wer trägt die Kosten, und was regelt die DGUV Regel 112-191?

Die DGUV Regel 112-191 (Benutzung von Fuß- und Knieschutz) fasst zusammen, wie Sicherheitsschuhe ausgewählt, getragen und geprüft werden. Sie hält auch fest, dass orthopädische Einlagen möglich sind, wenn die Schutzwirkung erhalten bleibt. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.

Bei der Anprobe gilt: nachmittags testen, weil die Füße im Tagesverlauf größer werden. Ersetzt wird ein Schuh, wenn das Profil abgefahren ist, der Schaft Feuchtigkeit durchlässt oder die Kappe Risse zeigt.

Häufige Fragen

Reicht S1P im Lager aus?

Meist ja, solange der Boden trocken bleibt. Steht Wasser oder Öl auf dem Boden, brauchen Sie S3, weil S1P nicht wasserdicht ist.

Wann ist S3 statt S2 sinnvoll?

S2 schützt gegen Wasser, aber nicht gegen Durchtritt. Sobald Nägel, Schrauben oder Scherben unter dem Fuß liegen können, ist S3 sinnvoll.

Woran erkenne ich, dass ein Schuh zu wenig Schutz bietet?

Wenn das Profil abgefahren ist, der Schaft Wasser durchlässt oder die Zehenkappe beschädigt ist, erfüllt der Schuh seine Aufgabe nicht mehr.

Muss ich ESD-Schuhe nehmen, wenn ich antistatische S1P trage?

Nur wenn die Gefährdungsbeurteilung es verlangt, etwa in explosionsgefährdeten Bereichen oder in der Elektronikfertigung. Sonst genügt die antistatische Ausführung.

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