Berufsbekleidung
Teil von Arbeitskleidung vergleichen: So unterscheiden Sie Normen, Materialien und Lieferanten
5 Fehler bei der Auswahl von Berufsbekleidung für Produktionsbetriebe
Berufsbekleidung Auswahl in Produktionsbetrieben: fünf typische Fehler, Gefährdungsbeurteilung, Trageversuch und Fehlkosten in Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Gefährdungsbeurteilung steht am Anfang, die Bestellung folgt daraus.
- DGUV Regel 112-995 ordnet Kleidungsarten den Einsatzbereichen zu.
- Trageversuche über zwei Schichten zeigen Passformfehler früher als jede Maßtabelle.
- Eine Größenberatung mit Körpermaßen senkt die Zahl der Nachbestellungen.
- Fehlbestellungen kosten je Charge oft mehr als 1.500 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Fünf typische Fehler
- Erst bestellen, dann prüfen. Wer mit dem Katalog beginnt, kauft an den tatsächlichen Gefährdungen vorbei. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung, nicht die Sonderaktion des Händlers.
- Schutzkleidung mit Berufsbekleidung verwechseln. Eine Warnweste ersetzt keinen Hitzeschutz, eine Baumwollhose keinen Schnittschutz. Für Schuhe und Handschuhe gelten eigene Normen, verbreitete Anbieter sind uvex, HAIX und Franz Mensch. Die DGUV Regel 112-995 ordnet Kleidungsarten den Einsatzbereichen zu.
- Trageversuche überspringen. Katalogbilder zeigen keine Bewegung. Erst ein Versuch über mehrere Schichten zeigt, ob Jacke und Hose über dem Hebegeschirr sitzen.
- Ohne Größenberatung bestellen. Engelbert Strauss, Kübler, Bierbaum-Proenen und Planam führen eigene Größensysteme, die untereinander abweichen. Körpermaße statt Buchstabengrößen, dazu eine Anprobe im Betrieb.
- Nur den Stückpreis rechnen. Waschbeständigkeit, Farbechtheit, Reparaturservice und Ersatzbeschaffung bestimmen die Kosten über die gesamte Tragezeit.
Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG als Ausgangspunkt
Nach Paragraph 5 des Arbeitsschutzgesetzes muss der Arbeitgeber Gefährdungen beurteilen und daraus Schutzmaßnahmen ableiten, dazu gehört die Bereitstellung von Schutzausrüstung. Der Volltext steht beim Bundesministerium der Justiz im Arbeitsschutzgesetz.
Die PSA-Benutzungsverordnung ergänzt diese Pflicht: Persönliche Schutzausrüstung ist bereitzustellen, instand zu halten und in der Benutzung zu überwachen. Reine Berufsbekleidung ohne Schutzfunktion fällt nicht darunter.
Bei Hitze, Kälte, Chemikalien oder mechanischen Gefährdungen entstehen unterschiedliche Anforderungen an Schnitt, Gewebe und Warnwirkung. Das Handbuch Gefährdungsbeurteilung der BAuA beschreibt das Vorgehen: Bereiche erfassen, Gefährdungen ermitteln, Maßnahmen festlegen, Wirksamkeit prüfen. Daraus entsteht eine Anforderungsliste je Arbeitsplatz.
Trageversuch und Größenberatung in vier Schritten
- Muster in mindestens zwei Größen und zwei Schnitten je Arbeitsbereich ordern.
- Beschäftigte tragen die Muster zwei volle Schichten im normalen Ablauf, samt Reinigung.
- Rückmeldungen schriftlich festhalten: Passform, Bewegungsfreiheit, Wärmestau, Verarbeitung.
- Größenverteilung festlegen, Restgrößen klären, Bestellliste freigeben.
Die Beschäftigten sind an der Gefährdungsbeurteilung zu beteiligen. Hinweise zum Verfahren bündelt die DGUV auf ihrer Themenseite zur Gefährdungsbeurteilung. Bei der Anprobe helfen Maßtabellen, die Körpermaße statt Buchstabengrößen verwenden.
Checkliste für die Auswahl von Berufsbekleidung
- Anforderungsliste je Arbeitsplatz aus der Gefährdungsbeurteilung ableiten.
- Muster in zwei Größen und zwei Schnitten ordern, Trageversuch dokumentieren.
- Größenberatung mit Maßtabelle und Anprobe im Betrieb vereinbaren.
- Waschzyklen, Farbechtheit und Pflegehinweise je Gewebe prüfen.
- Lieferzeit, Ersatzteilversorgung und Nachbestellbarkeit je Größe schriftlich festhalten.
Beispielrechnung: Fehlkosten durch Nachbestellungen
Katalogpreise für Arbeitsjacken liegen bei Anbietern wie Engelbert Strauss, Kübler oder Franz Mensch je nach Gewebe zwischen 40 Euro und 75 Euro netto. Für das Beispiel werden 47,50 Euro netto angesetzt. Ein Betrieb mit 80 Beschäftigten bestellt nach der Größenverteilung aus der Personalliste.
| Posten | Menge | Einzelpreis netto | Summe netto |
|---|---|---|---|
| Nachbestellte Jacken | 25 | 47,50 Euro | 1.187,50 Euro |
| Rücksendung und Umtausch | 12 | 6,90 Euro | 82,80 Euro |
| Zwischensumme | 1.270,30 Euro | ||
| Mehrwertsteuer 19 Prozent | 241,36 Euro | ||
| Gesamtbetrag brutto | 1.511,66 Euro |
Hinzu kommen Personalzeit für den Umtausch und Wartezeit auf die Lieferung. Die Beispielrechnung zeigt die direkten Beschaffungskosten, nicht den Arbeitsausfall.
Häufige Fragen
Warum reicht die Konfektionsgröße aus der Personalliste nicht?
Herstellergrößen fallen unterschiedlich aus, und Körpermaße ändern sich. Maßtabelle und Anprobe liefern die passende Verteilung.
Wie lange sollte ein Trageversuch dauern?
Mindestens zwei volle Schichten je Trägerin oder Träger, damit Schweiß, Bewegung, Reinigung und Verarbeitung sichtbar werden.
Wer trägt die Kosten für Schutzkleidung?
Maßnahmen des Arbeitsschutzes zahlt der Arbeitgeber. Auf die Beschäftigten dürfen diese Kosten nicht abgewälzt werden.
Wie oft ist die Auswahl zu überprüfen?
Bei neuen Tätigkeiten, Stoffen, Maschinen oder Beschwerden. Eine feste Frist gibt es nicht, die Beurteilung wird bei Änderungen fortgeschrieben.