Berufsbekleidung
Handschutz auswählen: Schutzklassen, Materialien und Tragezeiten im Betrieb
Handschutz auswählen: Schutzklassen nach DIN EN 388, 407 und 374, Materialien, Tragezeiten sowie Paarpreise inkl. MwSt 2025 für Betriebe im Überblick.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Gefährdungsbeurteilung bestimmt, welcher Handschuh nötig ist, nicht der Einkaufspreis allein.
- DIN EN 388, DIN EN 407 und DIN EN 374 decken mechanische, thermische sowie chemische und mikrobielle Risiken ab.
- Tragezeiten, Wechselintervalle und Hautschutz entscheiden darüber, ob der Schutz im Alltag wirkt.
- Paarpreise inklusive 19 % MwSt reichen 2025 von etwa 0,10 Euro für Einweghandschuhe bis 60 Euro für spezielle Hitzeschutzhandschuhe.
- Uvex Safety, KCL, Mapa und Honeywell bieten Systeme für unterschiedliche Belastungen, die zur Tätigkeit passen müssen.
Von der Tätigkeit zur Schutzklasse
Der erste Schritt ist die Gefährdungsbeurteilung. Mechanische Belastungen, Chemikalien, Hitze, Kälte, Vibrationen und Mikroorganismen verlangen unterschiedliche Handschuhe. Die DGUV zu Arbeitsmitteln ordnet Schutzhandschuhe den persönlichen Schutzausrüstungen zu. Daraus folgt: Der Handschuh ist Teil der Maßnahmenhierarchie, nicht ihr Ersatz.
Wer nur nach Farbe oder Preis einkauft, riskiert Unter- oder Überprotektion. Ein zu dicker Handschuh senkt die Fingerfertigkeit, ein zu dünner schützt nicht ausreichend. Für Präzisionsmontage sind dünne Nitril- oder PU-Handschuhe sinnvoll. Für grobe Bauarbeiten mit Schnittgefahr sind schnittfeste Handschuhe mit HPPE-Fasern oder Stahldraht nötig.
Die DGUV Regel 112-195 "Benutzung von Schutzhandschuhen" beschreibt Auswahl, Einsatz und Grenzen. Sie verlangt, dass Beschäftigte vor der ersten Nutzung unterwiesen werden. Dazu gehört, wann ein Handschuh zu wechseln ist und wann er nicht mehr verwendet werden darf. Ohne diese Unterweisung bleibt jede Schutzklasse wirkungslos.
Ein Praxisbeispiel: Ein Betrieb verarbeitet Bleche mit scharfen Kanten. Die Gefährdungsbeurteilung ergibt Schnittgefahr der Kategorie 4. Ein Handschuh mit DIN EN 388 Leistungsstufe D oder E ist erforderlich. Ein einfacher Baumwollhandschuh scheidet aus, auch wenn er angenehm zu tragen ist.
Die Auswahl muss auch die Umgebung prüfen. Feuchtigkeit, Öle, Fette und Lösemittel verändern die Griffsicherheit. In der Lebensmittelproduktion kommen zusätzlich hygienische Anforderungen hinzu. Ein Handschuh für fettige Teile funktioniert nicht automatisch in der Montage trockener Elektronikteile.
DIN EN 388, DIN EN 407 und DIN EN 374 richtig lesen
Die drei Normen sind keine Gütesiegel, sondern Prüf- und Kennzeichnungssysteme. Sie sagen, welche Prüfung ein Handschuh bestanden hat. Sie sagen nicht, ob er für jede Tätigkeit geeignet ist. Die Normung im Arbeitsschutz beschreibt, wie solche Standards entstehen und angewendet werden.
DIN EN 388:2016+A1:2018 bewertet mechanische Risiken. Sie prüft Abrieb, Schnittfestigkeit nach dem Coupe-Test, Weiterreißfestigkeit, Durchstichfestigkeit und Schnittfestigkeit nach ISO 13997. Diese letzte Prüfung wird mit den Buchstaben A bis F angegeben. A steht für geringe Schnittfestigkeit, F für sehr hohe. Ein "P" kennzeichnet einen geprüften Stoßschutz.
DIN EN 407:2020 bewertet thermische Risiken. Sie enthält sechs Prüfungen: Brennverhalten, Kontaktwärme, Konvektionswärme, Strahlungswärme, kleine Metallspritzer und große Metallspritzer. Jede Prüfung wird mit einer Stufe von 1 bis 4 bewertet. Ein Handschuh kann bei Kontaktwärme Stufe 4 erreichen, bei Strahlungswärme aber nur Stufe 1. Deshalb muss der Anwender die konkrete Gefährdung kennen.
DIN EN 374, heute als DIN EN ISO 374-Reihe geführt, regelt Chemikalienschutz. Teil 1 prüft die Permeation von Chemikalien durch das Material. Die Typen A, B und C geben an, gegen wie viele der Prüfchemikalien der Handschuh beständig ist. Typ A verlangt mindestens sechs Chemikalien, Typ B mindestens drei, Typ C mindestens eine. Teil 5 regelt den Schutz vor Mikroorganismen.
Die Kennzeichnung im Handschuh ist maßgeblich. Ein Piktogramm mit Erlenmeyerkolben und Buchstaben zeigt den Chemikalienschutz. Die Buchstaben stehen für die Prüfchemikalien, etwa A für Methanol oder K für Natriumhydroxid. Ohne diese Codes ist keine belastbare Aussage über die Beständigkeit möglich. Die DGUV zu Gefahrstoffen liefert Hinweise zum Umgang mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz.
| Norm | Schutz gegen | Wichtige Kennzeichnung | Grenze |
|---|---|---|---|
| DIN EN 388 | Mechanik: Abrieb, Schnitt, Riss, Durchstich | Ziffern und Buchstaben A bis F | Kein Schutz gegen Chemikalien oder Hitze |
| DIN EN 407 | Thermische Risiken | Stufen 1 bis 4 für sechs Prüfungen | Nicht jeder Handschuh deckt alle Wärmearten ab |
| DIN EN 374 | Chemikalien und Mikroorganismen | Typ A, B oder C, Prüfchemikalien | Permeationszeit ist begrenzt |
Materialien und ihre Anwendungsgrenzen
Nitrilkautschuk ist der Standard für viele Einweg- und Chemikalienschutzhandschuhe. Er ist beständig gegen Öle, Fette und viele Lösemittel. Gegen Ketone und starke Säuren kann die Beständigkeit sinken. Nitril bietet gute Griffigkeit und ist für Allergiker oft die bessere Wahl als Latex.
Latex aus Naturkautschuk ist elastisch und bietet hohe Fingerfertigkeit. Es schützt gut gegen wässrige Lösungen und Mikroorganismen. Bei Latexallergien ist Vorsicht geboten. Für Lebensmittel und Pflege ist Latex weit verbreitet, wird aber zunehmend durch Nitril ersetzt.
Neopren ist beständig gegen Öle, Fette und viele Säuren. Es eignet sich für Chemikalien, bei denen Nitril an Grenzen stößt. Butylkautschuk schützt gegen Ketone, Ester und starke Säuren. Viton ist eine Hochleistungslösung für aggressive Lösemittel und hohe Temperaturen. Diese Materialien sind teurer und oft weniger flexibel.
Für Schnittschutz kommen HPPE-Fasern, Aramid, Glasfaser und Stahldraht infrage. HPPE, etwa Dyneema, bietet hohe Schnittfestigkeit bei geringem Gewicht. Aramid ist hitzebeständig und schnittfest, kann aber bei hohen Temperaturen verkohlen. Glasfaser verstärkt die Schnittfestigkeit, kann aber die Haut reizen, wenn Fasern austreten.
Leder ist robust und hitzebeständig, aber nicht wasserdicht und nicht chemikalienbeständig. Für Schweißerarbeiten sind Lederhandschuhe mit Aramid-Nähten üblich. Für Lebensmittel und feuchte Bereiche sind sie meist ungeeignet. Baumwolle und Nylon dienen als Unterziehhandschuhe oder für leichte Arbeiten, bieten aber kaum Schutz.
Die Materialwahl muss die Trageeigenschaften berücksichtigen. Ein steifer Handschuh schützt gut, kann aber die Beweglichkeit einschränken. Ein dünner Handschuh bietet Tastgefühl, verschleißt aber schneller. In der Praxis sind oft Kompromisse nötig. Wer zu einem sehr dicken Handschuh greift, riskiert, dass Beschäftigte ihn abziehen oder falsch verwenden.
Tragezeiten, Wechselintervalle und Hautschutz
Tragezeiten sind kein Nebenthema. Okklusion durch Handschuhe lässt die Haut schwitzen. Feuchtigkeit weicht die Hornschicht auf, Rötungen und Ekzeme können entstehen. Die DGUV zu Hautgefährdungen empfiehlt Hautschutzpläne mit Schutz, Pflege und Reinigung. Der Handschuh ersetzt keinen Hautschutz.
Es gibt keine allgemeine Höchsttragetzeit für alle Handschuhe. Entscheidend sind Material, Wanddicke, Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit und Hautzustand. Bei Chemikalien gilt die Permeationszeit als Obergrenze. Wird die Durchbruchzeit erreicht, muss der Handschuh sofort gewechselt werden. Ein Sicherheitsabstand von mindestens 50 Prozent ist sinnvoll.
In der Montage sind durchgehende Tragezeiten von 30 bis 60 Minuten für viele Beschäftigte akzeptabel. Danach sollte eine Pause ohne Handschuh folgen. Für Einweghandschuhe im Lebensmittelbereich sind kürzere Intervalle üblich, oft 15 bis 30 Minuten. Nach Kontakt mit rohem Fleisch oder Allergenen ist ein Wechsel Pflicht.
Checkliste für den Handschuhwechsel im Betrieb:
- Vor dem Anziehen Hände reinigen und trocknen.
- Handschuhe auf Risse, Löcher und Verfärbungen prüfen.
- Bei Chemikalien die Permeationszeit und Einsatzdauer abgleichen.
- Nach sichtbarer Verschmutzung, Durchfeuchtung oder Beschädigung wechseln.
- Nach der Arbeit Hände pflegen und Hautschutzplan beachten.
Beschäftigte dürfen Handschuhe nicht teilen, wenn eine Kontamination möglich ist. Einweghandschuhe sind nach einmaliger Nutzung zu entsorgen. Mehrweg-Handschuhe müssen nach Herstellerangabe gereinigt oder ersetzt werden. Für die Lagerung gilt: trocken, dunkel und ohne direkte Sonneneinstrahlung. Chemikalienhandschuhe verlieren ihre Schutzwirkung, wenn sie falsch gelagert werden.
Ein weiterer Punkt ist die Passform. Zu enge Handschuhe behindern die Durchblutung. Zu weite Handschuhe erhöhen die Unfallgefahr, weil Gegenstände leichter entgleiten. Die Größe sollte an der Handinnenfläche und Fingerlänge gemessen werden. Hersteller bieten oft Größentabellen an.
Preise, Beschaffung und Anbieter im Vergleich
Die Preise für Schutzhandschuhe hängen von Material, Schutzklasse, Stückzahl und Lieferweg ab. Die folgenden Orientierungswerte gelten je Paar inklusive 19 % MwSt, Stand 2025. Sie sind keine Angebotspreise, sondern Anhaltspunkte für Budgetgespräche.
| Handschuhtyp | Typische Schutzfunktion | Preis je Paar inkl. 19 % MwSt, Stand 2025 |
|---|---|---|
| Einweghandschuh aus Nitril | Flüssigkeiten, Mikroorganismen | 0,10 bis 0,40 Euro |
| Leichter Montagehandschuh | Abrieb, geringe Schnittgefahr | 1,50 bis 5,00 Euro |
| Schnittschutzhandschuh | DIN EN 388, Stufe C bis F | 4,00 bis 15,00 Euro |
| Chemikalienschutzhandschuh | DIN EN 374, Typ A bis C | 5,00 bis 25,00 Euro |
| Hitzeschutzhandschuh | DIN EN 407, Kontakt- und Strahlungswärme | 15,00 bis 60,00 Euro |
Diese Spannen zeigen: Ein Einweghandschuh ist kein großer Kostenfaktor, ein spezieller Hitzeschutzhandschuh schon. Bei schnittfesten Handschuhen ist der Preis pro Paar nur ein Teil der Rechnung. Hinzu kommen Wechselhäufigkeit, Ausfallzeiten und Schulungskosten. Ein teurer Handschuh, der länger getragen werden kann, ist wirtschaftlicher als ein billiger, der ständig ersetzt werden muss.
Anbieter wie Uvex Safety, KCL, Mapa und Honeywell führen Handschuhe für Mechanik, Chemie, Hitze und Lebensmittel. Die Produktübersicht von Uvex Safety zeigt, wie Hersteller ihre Modelle nach Einsatzfeldern ordnen. Beim Einkauf sollten Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Einkauf gemeinsam prüfen, ob die Kennzeichnung zur Gefährdungsbeurteilung passt.
Die DGUV zur Produktsicherheit weist darauf hin, dass auch die Dokumentation und Kennzeichnung Teil der Sicherheit sind. Ein Handschuh ohne CE-Kennzeichnung und ohne Herstellerangaben gehört nicht in den Betrieb. Bei Ausschreibungen sollten Norm, Leistungsstufe, Größen und Packungsgröße eindeutig genannt werden.
Ein Kostenbeispiel: In einem Betrieb werden pro Jahr 20.000 Paar Einweghandschuhe verbraucht. Bei 0,25 Euro pro Paar ergibt das 5.000 Euro inklusive 19 % MwSt. Werden schnittfeste Handschuhe für 8,00 Euro pro Paar benötigt und 2.000 Paar verbraucht, entstehen 16.000 Euro. Diese Beispielrechnung zeigt, warum die Gefährdungsbeurteilung den Bedarf steuert.
Für die Beschaffung ist auch die Lieferfähigkeit wichtig. Ein Handschuh, der kurzfristig nicht verfügbar ist, kann Produktionsprozesse stoppen. Deshalb sind Alternativprodukte mit gleicher Kennzeichnung sinnvoll. Die Auswahl sollte dokumentiert werden. Bei Änderungen an Materialien oder Verfahren muss die Gefährdungsbeurteilung aktualisiert werden.
Technische Entwicklungen können die Auswahl künftig verändern. Sensorische Handschuhe könnten Tragezeiten und Belastungen messen. Denkbar sind auch Materialien mit besserer Permeationsbarriere. Doch die Anwendungsgrenzen bleiben: Ein Sensor ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung. Die Datenqualität und die Akzeptanz bei Beschäftigten sind offene Fragen.
Häufige Fragen
Reicht ein Handschuh für alle Gefährdungen?
Nein. Mechanische, thermische und chemische Belastungen erfordern unterschiedliche Normen. Ein Handschuh für Schnittschutz schützt nicht automatisch gegen Hitze oder Lösemittel. Deshalb muss die Gefährdungsbeurteilung mehrere Schutzziele getrennt betrachten.
Was bedeutet Leistungsstufe F bei DIN EN 388?
Stufe F steht für die höchste Schnittfestigkeit nach ISO 13997. Sie wird mit einem TDM-Test ermittelt. Ein Handschuh mit Stufe F ist für sehr scharfe Gegenstände geeignet. Er kann dicker und weniger flexibel sein als ein Handschuh mit niedrigerer Stufe.
Wie lange darf ich Chemikalienschutzhandschuhe tragen?
Nur bis zur Permeationszeit des Herstellers, mit Sicherheitsabstand. Die Zeit ist chemikalien- und materialabhängig. Sie steht in der Herstellerinformation. Nach Kontakt mit der Chemikalie oder bei Beschädigung ist der Handschuh sofort zu wechseln.
Sind Einweghandschuhe eine Alternative zu Mehrweg-Handschuhen?
Nur bei geringer mechanischer Belastung und kurzer Tragezeit. Einweghandschuhe sind dünn und reißen schneller. Für scharfe Kanten oder grobe Arbeiten sind sie ungeeignet. Für Hygienebereiche sind sie oft vorgeschrieben, aber nicht für schwere Lasten.
Wie oft müssen Handschuhe gewechselt werden?
Das hängt von Material, Verschmutzung und Tragezeit ab. Bei Einweghandschuhen gilt: nach einmaliger Nutzung. Bei Mehrweg-Handschuhen: nach Herstellerangabe, spätestens bei Rissen, Verfärbungen oder Durchfeuchtung. Ein fester Zeitplan allein reicht nicht.
In diesem Leitfaden
- Handschutz auswählen im Vergleich zu HautschutzplänenHandschutz oder Hautschutzplan: Vergleich mit TRGS 401, DGUV Regel 112-195, Produkten von Uvex, KCL und Mapa sowie Kosten je Beschäftigten pro Monat.
- 4 Schritte zur Handschutzauswahl mit Schutzklassen und TragezeitbegrenzungHandschutzauswahl in vier Schritten: Gefährdungsbeurteilung, Schutzklassen, Anbietervergleich und Trageversuch mit Kosten je Paar inkl. MwSt.
- Handschutz Prüfsiegel und Normen nach EN 388, EN 407 und EN 374Handschutz Normen erklärt: EN 388, EN 407 und EN 374, Prüfsiegel, BAuA, DGUV, Anbieter und Prüfkosten als Beispiel in Euro inkl. 19 % MwSt. für Einkauf und QS.