Berufsbekleidung
Teil von Textilpflege Dienstleister: Leistungen, Hygienevorgaben und Kosten bewerten
3 Wege zur hygienischen Aufbereitung von Arbeitskleidung
Arbeitskleidung hygienisch aufbereiten: drei Wege mit RKI-Liste, TRBA 500 und DIN EN 14065, plus Beispielkosten je Kilogramm in Euro inklusive 19 % MwSt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Drei Wege: Mietwäsche bei einer zertifizierten Wäscherei, thermische Desinfektionswäsche im eigenen Betrieb, chemothermische Wäsche bei 40 bis 60 Grad Celsius.
- TRBA 500 verlangt getrennte Sammlung und Aufbereitung in einer geeigneten Wäscherei, nicht im Privathaushalt.
- DIN EN 14065 und die RKI-Liste belegen Wirksamkeit und Rückverfolgbarkeit.
- Beispielkosten je Kilogramm inklusive 19 Prozent Umsatzsteuer: 1,79 Euro bei Mietwäsche, 0,83 Euro bei eigener Wäsche, 0,65 Euro bei chemothermischer Wäsche.
Erst prüfen, dann waschen: Gefährdungsbeurteilung und Regelwerk
Am Anfang steht die Gefährdungsbeurteilung. Sie klärt, welche biologischen Arbeitsstoffe, Lebensmittelreste oder Gefahrstoffe an der Kleidung haften und wie stark Beschäftigte damit in Kontakt kommen. Das Handbuch Gefährdungsbeurteilung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt, wie Gefährdungen ermittelt und Schutzmaßnahmen daraus abgeleitet werden (Handbuch Gefährdungsbeurteilung der BAuA).
Das Ergebnis legt fest, ob eine Desinfektionswäsche nötig ist oder eine hygienisch geführte Waschbehandlung genügt. TRBA 500 verlangt, kontaminierte Arbeitskleidung getrennt zu sammeln, zu kennzeichnen und in einer geeigneten Wäscherei aufzubereiten. Ein Waschgang im Privathaushalt ist damit ausgeschlossen.
DIN EN 14065 beschreibt für Wäschereien das Kontrollsystem Biokontamination, kurz RABC. Gefordert sind validierte Verfahren, laufende Routineüberwachung und dokumentierte Chargen. Die RKI-Liste führt geprüfte Desinfektionsmittel und Desinfektionsverfahren und liefert den Wirkungsnachweis.
In Lebensmittelbetrieben kommt Anhang II der EU-Verordnung Nr. 852/2004 hinzu: Beschäftigte tragen saubere Arbeitskleidung, bei Bedarf Schutzkleidung. Feuchtarbeit und langes Tragen belasten die Haut zusätzlich. Welche Gefährdungen entstehen und welche Schutzmaßnahmen greifen, beschreibt die DGUV unter Hautgefährdungen (Hautgefährdungen in der DGUV-Prävention).
Weg 1: Mietwäsche bei einem zertifizierten Dienstleister
Sie übergeben die Kleidung an eine Wäscherei und erhalten sie einsatzfertig zurück. Verlangen Sie ein Desinfektionswaschverfahren nach RKI-Liste, ein Zertifikat nach DIN EN 14065 und eine Chargendokumentation, die jede Lieferung einer Aufbereitung zuordnet.
Die Verantwortung ist geteilt: Der Dienstleister validiert das Verfahren, der Betrieb prüft Wareneingang und Tragekomfort. Dem stehen laufende Kosten, Vertragsbindung und Transportwege gegenüber. Bei hohem Wäscheaufkommen ist dieser Weg meist der wirtschaftlichste.
Weg 2: Thermische Desinfektionswäsche im eigenen Betrieb
Hier wirkt die Temperatur. Übliche Verfahren arbeiten mit 60 bis 90 Grad Celsius, abhängig von Material und Validierung. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Temperatur, Einwirkzeit und geprüftem Waschmittel, nicht die Höchsttemperatur allein.
Schmutz- und Reinseite müssen räumlich getrennt sein. Kontaminierte Kleidung wird nur auf der Schmutzseite gelagert und umgeschlagen. Nach dem Waschgang folgt die Trocknung ohne Zwischenlagerung.
Diese Variante lohnt sich bei gleichbleibend hohem Wäscheaufkommen. Sie bindet Personal, Energie und Wartung, spart aber Transportkosten.
Weg 3: Chemothermische Desinfektionswäsche bei 40 bis 60 Grad Celsius
Niedrige Temperaturen schonen Textilien, Warnkleidung und Elastanfasern. Die Keimreduktion kommt aus einem desinfizierenden Waschmittel. Konzentration, Temperatur und Einwirkzeit müssen exakt eingehalten werden, sonst sinkt die Wirksamkeit.
Für Lebensmittelbetriebe mit empfindlicher Kleidung ist dieser Weg oft die einzige praktikable Lösung. Dosierung und Umweltwirkung beschreibt das Umweltbundesamt in seiner Übersicht zu Wasch- und Reinigungsmitteln (Wasch- und Reinigungsmittel beim Umweltbundesamt). Rückstände auf dem Gewebe und Hautverträglichkeit gehören in die Gefährdungsbeurteilung.
Beispielrechnung: Was ein Kilogramm kostet
| Weg | Verfahren | Beispielpreis je kg inkl. 19 % MwSt. |
|---|---|---|
| 1 | Mietwäsche, zertifizierte Wäscherei | 1,79 Euro |
| 2 | eigene thermische Desinfektionswäsche | 0,83 Euro |
| 3 | eigene chemothermische Wäsche | 0,65 Euro |
Das sind marktübliche Beispielwerte, verbindlich ist das Angebot des jeweiligen Dienstleisters. Rechenbeispiel: 40 Kilogramm Arbeitskleidung pro Woche in der Mietwäsche ergeben bei 1,79 Euro je Kilogramm inklusive 19 Prozent Umsatzsteuer 71,60 Euro pro Woche. Über 50 Wochen summiert sich das auf 3.580 Euro.
Bei eigener Wäsche treten Wasser, Energie, Waschmittel und Personal an die Stelle des Kilopreises. Rechnen Sie diese Posten mit Ihrem tatsächlichen Verbrauch, sonst bleiben die 0,83 Euro ein Richtwert.
Aufbereitung einführen: fünf Schritte
- Gefährdungsbeurteilung erstellen und die Kontaminationsstufe je Tätigkeit festlegen.
- Aufbereitungsweg wählen und eine Verfahrensanweisung mit Temperatur, Mittel und Einwirkzeit schreiben.
- Schmutz- und Reinseite trennen, Sammelbehälter kennzeichnen, Transportwege festlegen.
- Chargen dokumentieren: Datum, Menge, Verfahren, Freigabe.
- Wirksamkeit regelmäßig prüfen und die Beurteilung bei Änderungen aktualisieren.
Häufige Fragen
Darf ich Arbeitskleidung zu Hause waschen?
Nein. TRBA 500 schließt die Aufbereitung im Privathaushalt für kontaminierte Kleidung aus. Erforderlich ist eine geeignete Wäscherei mit getrennter Führung.
Reicht ein Waschgang bei 60 Grad Celsius?
Nur mit validiertem Verfahren und geprüftem Desinfektionswaschmittel in der vorgeschriebenen Dosierung. Die Temperatur allein belegt keine ausreichende Keimreduktion.
Wer ist für die hygienische Qualität verantwortlich?
Der Arbeitgeber. Er wählt den Dienstleister aus, prüft Zertifikate und Wareneingang und legt das Verfahren im Hygieneplan fest.
Wie oft muss die Wirksamkeit überprüft werden?
DIN EN 14065 verlangt eine Erstvalidierung und eine fortlaufende Routineüberwachung. Die Häufigkeit legen Wäscherei und Betrieb im Hygieneplan fest.