Berufsbekleidung

Teil von Handschutz auswählen: Schutzklassen, Materialien und Tragezeiten im Betrieb

4 Schritte zur Handschutzauswahl mit Schutzklassen und Tragezeitbegrenzung

Handschutzauswahl in vier Schritten: Gefährdungsbeurteilung, Schutzklassen, Anbietervergleich und Trageversuch mit Kosten je Paar inkl. MwSt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schritt 1: Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV und BAuA-Handbuch.
  • Schritt 2: Schutzklassen nach EN 388, EN 374, EN 407 und EN 511 festlegen.
  • Schritt 3: Material und Anbieter vergleichen, etwa uvex, KCL und Mapa.
  • Schritt 4: Trageversuch mit Tragezeitbegrenzung nach DGUV Regel 112-195.
  • Beispielkosten: 3,33 € pro Paar inkl. 19 % MwSt. bei 2,80 € netto.

Schritt 1: Gefährdungsbeurteilung: Gefahren und Hautbelastung erfassen

Vor der Auswahl von Schutzhandschuhen steht die Gefährdungsbeurteilung. Die BetrSichV verlangt, Arbeitsmittel und PSA nach § 3 Absatz 1 zu beurteilen. Das BAuA-Handbuch Gefährdungsbeurteilung beschreibt, wie Sie mechanische, thermische, chemische und biologische Gefahren methodisch erfassen.

Erfassen Sie Hautgefährdungen getrennt: Feuchtarbeit, Kontakt mit Ölen, Lösemitteln oder Reinigungsmitteln. Die DGUV nennt auf ihrer Themenseite Hautgefährdungen die Belastungen und Schutzmaßnahmen. Dokumentieren Sie Ergebnis und Maßnahme schriftlich.

Prüfen Sie auch Dauer und Häufigkeit des Handschuhkontakts. Kurze, häufige Wechsel belasten die Haut anders als eine lange Tragedauer. Erfassen Sie außerdem, ob ein Handschuh die Tätigkeit beeinträchtigt, etwa bei rotierenden Maschinen. Ein zu lockerer Handschuh kann einhaken.

Schritt 2: Schutzklassen und Normen zuordnen

Jede Gefährdung hat ihre Norm. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennwerte.

Gefährdung Norm Kennwert
Mechanische Risiken DIN EN 388:2016+A1:2018 Abrieb, Schnitt, Reißfestigkeit, Durchstich, Schnittschutz A bis F
Chemikalien DIN EN ISO 374-1:2016 Typ A, B, C, Permeationszeiten
Hitze DIN EN 407:2020 Kontaktwärme, Strahlungswärme
Kälte DIN EN 511:2006 Konvektionskälte, Kontaktkälte
Antistatisch DIN EN 16350:2014 Durchgangswiderstand

Achten Sie auf die Leistungsstufen. Bei EN 388 reicht die Angabe der alten Skala nicht mehr aus, weil seit 2016 der Schnittschutz nach ISO 13997 in Stufen A bis F gemessen wird. Für Chemikalien gilt: Typ A, B oder C mit Permeationszeiten. Wählen Sie die Klasse, die zur längsten geplanten Tragezeit passt.

Die Kennzeichnung im Handschuh nennt Norm, Leistungsstufen und Hersteller. Fehlt sie, ist der Handschuh für den gewerblichen Einsatz nicht geeignet. Prüfen Sie das Datenblatt auf Permeationszeiten und Angaben zur Tragezeit.

Schritt 3: Material und Anbieter auswählen

Material und Anbieter folgen aus Gefährdung und Schutzklasse. Nitrilkautschuk eignet sich für Öle, Fette und viele Chemikalien. Polyurethan (PU) punktet bei trockener Feinmechanik. Leder schützt vor Abrieb und grober Mechanik, HPPE-Fasern vor Schnitt. Einweghandschuhe aus Nitril oder Latex decken Hygienebereiche ab.

Bekannte Anbieter sind uvex, KCL und Mapa. Uvex Safety führt Mechanik- und Chemikalienschutzhandschuhe, KCL ist auf Chemikalienschutz spezialisiert, Mapa bietet Einweg- und Mehrweghandschuhe. Vergleichen Sie Passform, Griff, Feuchtigkeitsmanagement und Hautverträglichkeit. Eine Produktübersicht von Uvex zeigt Handschuhe, Schuhe und Schutzkleidung.

Bei der Beschaffung zählen auch Lagerfähigkeit und Entsorgung. Nitril- und Latexhandschuhe verlieren bei UV-Licht und Wärme an Elastizität. Lagern Sie sie kühl und dunkel. Für Lebensmittelbereiche fordern Sie eine entsprechende Konformitätserklärung an.

Schritt 4: Trageversuch und Tragezeitbegrenzung

Der Trageversuch prüft die Auswahl unter realen Bedingungen. Geben Sie Musterhandschuhe an die Beschäftigten aus. Bewerten Sie nach zwei Wochen: Passform, Schweißbildung, Hautrötungen, Griffigkeit und Verschleiß. Dokumentieren Sie Rückmeldungen.

Die DGUV Regel 112-195 begrenzt die Tragezeit. Eine ununterbrochene Tragedauer von zwei Stunden sollte nicht überschritten werden, danach ist eine Pause ohne Handschuh vorgesehen. Bei Chemikalienschutzhandschuhen gilt zusätzlich die Permeationszeit der Herstellerangabe. Planen Sie Wechsel und Hautschutz ein.

Für die Tragezeit gibt es Unterschiede: Einweg- und Chemikalienschutzhandschuhe sind meist kürzer zu tragen als Mechanikhandschuhe aus Leder. Bei Feuchtarbeit kann ein Hautschutzmittel vor dem Handschuh helfen. Cremes ersetzen aber keinen geeigneten Handschuh. Wiederholen Sie den Trageversuch nach Materialwechsel oder neuer Tätigkeit.

Beispielrechnung: Kosten je Paar

Beispielrechnung, keine Preisliste: Ein Nitrilhandschuh der mittleren Schutzklasse kostet netto 2,80 € pro Paar. Mit 19 % MwSt. sind das 3,33 € brutto pro Paar. Bei 200 Paar pro Jahr ergibt das 666,00 € brutto.

Ein schnittfester Handschuh mit HPPE-Fasern kostet netto 8,50 € pro Paar, mit 19 % MwSt. 10,12 € brutto. Bei 100 Paar pro Jahr sind das 1.012,00 € brutto. Rechnen Sie zusätzlich Reinigung, Entsorgung und Hautschutzmittel ein.

Ein Chemikalienschutzhandschuh mit Fluorcarbonbeschichtung kostet netto 12,40 € pro Paar. Mit 19 % MwSt. sind das 14,76 € brutto. Bei 50 Paar pro Jahr ergibt das 738,00 € brutto.

Häufige Fragen

Welche Schutzklasse ist für Schnittgefahr die richtige?

Nach EN 388 wird der Schnittschutz in Stufen A bis F gemessen. Stufe A liegt bei 1,2 Newton, Stufe F bei 22 Newton. Wählen Sie die Stufe nach Schnittgefahr und Grifftoleranz, nicht pauschal die höchste.

Wie lange dürfen Schutzhandschuhe ununterbrochen getragen werden?

Die DGUV Regel 112-195 nennt zwei Stunden als Richtwert. Danach folgt eine Pause ohne Handschuh. Bei Chemikalienschutz gilt die Permeationszeit des Herstellers.

Wer bezahlt die Schutzhandschuhe?

Der Arbeitgeber stellt die erforderliche PSA kostenlos bereit. Das folgt aus der PSA-Benutzungsverordnung und der DGUV Vorschrift 1. Beschäftigte tragen die Kosten nicht.

Reicht ein Handschuh für alle Tätigkeiten?

Nein. Mechanik, Chemie, Hitze und Kälte verlangen unterschiedliche Normen und Materialien. Ein Wechselsystem aus zwei oder drei Handschuhtypen ist üblich.

Wann muss der Trageversuch wiederholt werden?

Nach Materialwechsel, neuer Tätigkeit, geänderter Gefährdungsbeurteilung oder Hautproblemen. Dokumentieren Sie jede Wiederholung.

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