Berufsbekleidung

Teil von Handschutz auswählen: Schutzklassen, Materialien und Tragezeiten im Betrieb

Handschutz Prüfsiegel und Normen nach EN 388, EN 407 und EN 374

Handschutz Normen erklärt: EN 388, EN 407 und EN 374, Prüfsiegel, BAuA, DGUV, Anbieter und Prüfkosten als Beispiel in Euro inkl. 19 % MwSt. für Einkauf und QS.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EN 388 bewertet mechanische Risiken, EN 407 thermische Risiken, EN 374 chemische und mikrobielle Gefährdungen.
  • Die Leistungsstufen stehen als Zahlen- und Buchstabenfolge auf dem Handschuh, ein Datenblatt allein genügt nicht.
  • Verbindlich ist die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 mit CE-Kennzeichnung und Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle.
  • In Deutschland konkretisiert die DGUV Regel 112-195 die Benutzung, die BAuA überwacht den Markt.
  • Eine Baumusterprüfung kostet je nach Bauart meist 1.200 bis 3.500 Euro netto, mit 19 % MwSt. also 1.428 bis 4.165 Euro.

Die drei Kernnormen und ihre Kennzeichnung

EN 388 gilt für mechanische Belastungen. Vier Ziffern stehen für Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit nach dem Coupe-Verfahren, Reißfestigkeit und Durchstichfestigkeit. Seit der Fassung EN 388:2016 folgt ein Buchstabe von A bis F für den Schnitttest nach ISO 13997. Ein Aufprallschutz am Handrücken wird zusätzlich gekennzeichnet.

EN 407 regelt den Schutz gegen Hitze. Sechs Kennzahlen bewerten Brennverhalten, Kontaktwärme, Konvektionswärme, Strahlungswärme, kleine Metallspritzer und große Metallmengen. Die Stufe 0 bedeutet, dass die Anforderung nicht erfüllt wurde. Für Schweißarbeiten reicht eine einzelne gute Stufe nicht aus.

EN 374 betrifft chemische Gefährdungen und heißt heute EN ISO 374-1. Typ A verlangt mindestens sechs Prüfchemikalien mit einer Durchbruchzeit von mindestens 30 Minuten, Typ B mindestens drei, Typ C mindestens eine. Kennbuchstaben benennen die geprüften Stoffe, etwa A für Methanol oder K für Natriumhydroxid. Die Beständigkeit gegen Viren nach EN ISO 374-5 wird mit dem Wort VIRUS unter dem Schutzsymbol ausgewiesen.

Norm Schutzbereich Kennzeichnung
EN 388 Mechanik vier Ziffern, Buchstabe A bis F
EN 407 Hitze und Flammen sechs Ziffern, Stufe 0 bis 4
EN ISO 374-1 Chemikalien Typ A, B oder C, Kennbuchstaben
EN ISO 374-5 Mikroorganismen Zusatz VIRUS bei Virenschutz

Prüfsiegel, Prüfstellen und Nachweise

Handschuhe der Kategorie III tragen das CE-Zeichen, dahinter die vierstellige Nummer der notifizierten Stelle. Zur Dokumentation gehören die EU-Baumusterprüfbescheinigung, die Konformitätserklärung und die Herstellerinformation. Fehlen diese Unterlagen, ist das CE-Zeichen auf dem Handschuh wenig belastbar. Handschuhe gegen Schnitt, Chemikalien und Hitze fallen nach der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 in Kategorie III, also in die höchste Risikogruppe mit laufender Produktionsüberwachung.

Die DGUV behandelt Prüfung und Zertifizierung als eigenen Themenbereich, weil Herstellerangaben nachvollziehbar belegt sein müssen. In Deutschland überwacht die BAuA den Markt. Das Handbuch Gefährdungsbeurteilung der Bundesanstalt liefert die Methodik, aus der die Auswahl des Handschutzes folgt. Die DGUV Regel 112-195 beschreibt die Benutzung, die PSA-Benutzungsverordnung regelt die Pflichten des Arbeitgebers.

Was Prüfungen und Nachweise kosten

Die folgenden Beträge sind eine Beispielrechnung mit marktüblichen Preisbändern und keine Zusage einer einzelnen Prüfstelle. Die Bruttospalte enthält 19 % MwSt.

Leistung netto brutto mit 19 % MwSt.
EU-Baumusterprüfung 1.200 bis 3.500 Euro 1.428 bis 4.165 Euro
Einzelprüfung Abrieb oder Schnitt 150 bis 400 Euro 178,50 bis 476,00 Euro
Permeationsprüfung je Chemikalie 250 bis 700 Euro 297,50 bis 833,00 Euro
jährliche Produktionsüberwachung 500 bis 1.500 Euro 595,00 bis 1.785,00 Euro

Für einen Typ-A-Nachweis mit sechs Chemikalien fallen sechs Permeationsprüfungen an, zusammen 1.500 bis 4.200 Euro netto. Prüfstellen kalkulieren nach Bauart, Materialkombination und Prüfumfang, deshalb streuen die Angebote.

Checkliste für Einkauf und Qualitätssicherung

  1. Baumusterprüfbescheinigung und Konformitätserklärung mit Modell und Normfassung abgleichen.
  2. Leistungsstufen gegen die eigene Gefährdungsbeurteilung prüfen, nicht gegen Werbeaussagen.
  3. Bei Chemikalien die Kennbuchstaben mit dem tatsächlichen Stoff und der Kontaktzeit vergleichen.
  4. Reinigungs- und Lagerhinweise in die Unterweisung übernehmen.
  5. Angaben von Anbietern wie der Produktübersicht von Uvex Safety als Ausgangspunkt nehmen, Modelle von KCL und Honeywell ebenso vergleichen.

Häufige Fragen

Was bedeuten die Zahlen auf dem Handschuh?

Sie geben Leistungsstufen der jeweiligen Norm an. Bei EN 388 stehen vier Ziffern für Abrieb, Schnitt, Reißfestigkeit und Durchstich, ein Buchstabe folgt für den Schnitttest nach ISO 13997. Höhere Werte bedeuten höhere Beständigkeit, nicht automatisch Eignung für den Arbeitsplatz.

Reicht das CE-Zeichen als Nachweis?

Nein. Es belegt nur, dass der Hersteller das Konformitätsverfahren durchlaufen hat. Prüfbescheinigung, Normfassung und Leistungsstufen müssen zum konkreten Einsatz passen.

Wann gilt ein Handschuh als chemikalienbeständig?

Wenn EN ISO 374-1 mit Typ A, B oder C und den Kennbuchstaben der geprüften Chemikalien ausgewiesen ist. Die Durchbruchzeit ist begrenzt und verlängert sich durch längeres Tragen nicht.

Welcher Handschuh schützt vor Viren?

Nur Modelle mit dem Zusatz VIRUS nach EN ISO 374-5. Das Schutzsymbol allein sagt nichts über Virenschutz aus.

Wer bezahlt Prüfung und Nachweis?

Die Baumusterprüfung trägt der Hersteller, Beschaffung und Unterweisung der Arbeitgeber. Die PSA-Benutzungsverordnung verpflichtet ihn, die Ausrüstung kostenfrei bereitzustellen.

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