
Berufsbekleidung
Teil von Wetterschutzkleidung prüfen: Normen, Warnwesten und Atmungsaktivität bewerten
Wie Sie Wetterschutzkleidung auf Wassersäule und Atmungsaktivität prüfen
Wetterschutzkleidung prüfen: Wassersäule in mm, RET-Wert, DIN EN 343 und DGUV Information 212-016, Prüfmethoden und Beispielpreise je Jacke inklusive MwSt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Wassersäule in mm sagt, welchem Wasserdruck die Außenhaut standhält. 1.300 mm reichen für Spritzwasser, 8.000 mm für Dauerregen.
- DIN EN 343 stuft die Wasserdichtigkeit in drei Klassen und den Verdunstungswiderstand RET in vier Klassen.
- Beim RET giltkleiner ist besser. Bis 15 ist Klasse 4, über 40 ist für körperliche Arbeit ungeeignet.
- Nachweise stehen im Prüfbericht, nicht im Prospekt. Kontrollieren Sie zusätzlich Nähte, Reißverschlüsse und Kapuze.
- Beispielpreise je Jacke inkl. 19 % MwSt.60 bis 90 Euro für Spritzschutz, 200 bis 450 Euro für hohe Belastung.
Was die Wassersäule in Millimetern aussagt
Die Wassersäule ist eine Druckangabe. Sie beschreibt, wie hoch Wasser auf dem Gewebe stehen kann, ohne dass es durchtritt. Gemessen wird nach DIN EN 20811, international nach ISO 811.
Wassersäule nach Einsatzbereich
1.300 mm
- Eignung
- Spritzwasser
- Tätigkeit
- Lager, Bauhof
5.000 mm
- Eignung
- leichter Regen
- Tätigkeit
- Bau, Kommunal
8.000–10.000 mm
- Eignung
- Dauerregen
- Tätigkeit
- Tiefbau, Forst
ab 20.000 mm
- Eignung
- extreme Belastung
- Tätigkeit
- Offshore, Seefahrt
Der Wert 1.300 mm bedeutet: Eine Wassersäule von 1,30 Metern drückt auf den Stoff, ohne dass drei Tropfen durchgehen. Das klingt viel, ist es aber nicht. Regen, Wind und Rucksackgurte erzeugen mehr Druck.
Wassersäule in Millimetern
| Wassersäule | Eignung | Typische Tätigkeit |
|---|---|---|
| 1.300 mm | Spritzwasser, kurze Wege | Lager, Bauhof, Handwerk |
| 5.000 mm | leichter bis mittlerer Regen | Bau, Kommunalbetrieb |
| 8.000 bis 10.000 mm | Dauerregen, Wind, Druckstellen | Tiefbau, Forst, Bahn |
| ab 20.000 mm | extreme Belastung | Offshore, Seefahrt |
Ein hoher Wert allein genügt nicht. Nähte, Reißverschlüsse und Kapuzenansätze sind die Schwachstellen. Jede Einstichstelle bleibt ein Loch, deshalb gehört jede belastete Naht verschweißt oder hinterklebt.
Prüfen Sie außerdem den Wert nach Vorbehandlung. Die Norm testet nach Waschgängen und Abrieb, weil Membrane und Imprägnierung altern. Fordern Sie den Prüfbericht mit dem Wert nach fünf Waschgängen an, nicht nur das Ergebnis des Neuteils.
DIN EN 343 und der RET-Wert
DIN EN 343 ist die Norm für Schutzkleidung gegen Regen. Sie bewertet zwei Dinge getrennt: Schutz gegen Wasser und Atmungsaktivität. Im Etikett steht eine Kombination, etwa EN 343 3:3.
Die erste Ziffer deckt die Wasserdichtigkeit ab, Stufen 1 bis 3. Die Norm misst den Wasserdurchtritt als Druck in bar. 0,13 bar entsprechen rund 1.300 Millimetern Wassersäule.
Die zweite Ziffer steht für den Wasserdampfdurchgangswiderstand RET, Stufen 1 bis 4. RET wird in m²Pa/W gemessen. Der Wert beschreibt, wie stark das Material Schweißdampf bremst:
DIN EN 343 und RET-Wert
- RET bis 15
- Klasse 4, gute Atmungsaktivität
- RET 15 bis 25
- Klasse 3
- RET 25 bis 40
- Klasse 2
- RET über 40
- Klasse 1, für körperliche Arbeit ungeeignet
Der Wert wirkt umgekehrt. RET 40 bremst den Feuchtigkeitstransport rund siebenmal stärker als RET 6. Bei schwerer Arbeit und 300 Watt Leistung bleibt der Schweiß dann innen.
Für die Auswahl zählt die Tätigkeit. Wer viel läuft, braucht Klasse 4 und Lüftungsschlitze. Wer überwiegend steht, kommt mit Klasse 3 aus.
Die DGUV Information 212-016 beschreibt, was bei Auswahl und Einsatz von Wetterschutzkleidung zu beachten ist. Grundlage bleibt die Gefährdungsbeurteilung, methodische Hinweise dazu liefert das Handbuch Gefährdungsbeurteilung der BAuA.
So prüfen Sie Lieferungen in fünf Schritten
Lieferungen in fünf Schritten prüfen
- Kennzeichnung lesenNorm, Klassen, Piktogramm, Größe, Hersteller.
- Prüfbericht anfordernWassersäule und RET nach Vorbehandlung. Wie Prüfung und Zertifizierung zusammenhängen, erklärt die DGUV-Übersicht zu Prüfung und Zertifizierung.
- Verarbeitung kontrollierenverschweißte Nähte, wasserdichte Reißverschlüsse, verstellbare Kapuze, Ärmelbündchen.
- Praxistestdrei Minuten mit der Brause beregnen, zuerst Schultern und Ärmel. Danach von innen auf Feuchtigkeit prüfen.
- Nach der Saison prüfenImprägnierung auffrischen, Membrane auf Ablösung kontrollieren, Schäden dokumentieren.
Beispielrechnung: Preis je Jacke in Euro
Alle Preise gelten je Jacke und enthalten 19 % MwSt. Es sind gerundete Marktpreise als Beispielrechnung, keine Angebote.
Preis je Jacke in Euro
| Klasse der Ausstattung | Wassersäule | RET | Preis brutto |
|---|---|---|---|
| Spritzschutz | 1.300 mm | 20 bis 30 | 60 bis 90 Euro |
| Standard Regenjacke | 5.000 mm | 10 bis 15 | 90 bis 140 Euro |
| Mittlere Belastung | 8.000 mm | 8 bis 12 | 140 bis 200 Euro |
| Hohe Belastung | 10.000 mm | unter 6 | 200 bis 450 Euro |
Ein Tiefbau-Team mit 20 Personen zahlt für die mittlere Zeile 2.800 bis 4.000 Euro brutto. Gegenüber der Standardjacke sind das rund 1.000 bis 1.200 Euro mehr. Bei 200 Arbeitstagen im Freien kostet eine Jacke für 170 Euro weniger als 1 Euro pro Arbeitstag und Person.
Häufige Fragen
Wie viel Wassersäule brauche ich bei Dauerregen im Freien?
Für Dauerregen sind 8.000 mm eine sinnvolle Untergrenze. Wichtig sind zusätzlich verschweißte Nähte und eine verstellbare Kapuze.
Ist ein kleiner RET-Wert immer besser?
Physikalisch ja, denn ein kleiner Wert bremst den Dampf weniger. Der Preis steigt aber. Bei leichter Arbeit reicht RET 15.
Verliert Wetterschutzkleidung beim Waschen an Leistung?
Ja, deshalb prüft die Norm nach Vorbehandlung. Imprägnierungen lassen schneller nach als Membrane. Waschen Sie nach Herstellerangabe und frischen Sie die Imprägnierung auf.
Welche Normen gelten außer DIN EN 343?
Für Warnschutz gilt DIN EN ISO 20471. Wie Normen den Arbeitsschutz ordnen, zeigt die Übersicht Arbeitsschutz in der Normung.
Wer kontrolliert die Herstellerangaben?
Wetterschutz ohne Zusatzfunktion fällt in PSA-Kategorie I und wird vom Hersteller in eigener Verantwortung erklärt. Mit Warnschutz gilt Kategorie II mit Baumusterprüfung. Das DGUV-Themenportal Normung ordnet das System ein.



